Ein Spielplatz ist für viele Kinder selbstverständlich, für Kinder mit Behinderung aber oft nicht zugänglich. Ein Kind im Rollstuhl kommt über Sanduntergrund nicht bis zu den Geräten, ein Kind mit Sehbeeinträchtigung findet sich auf einer unstrukturierten Fläche schwer zurecht, und viele Geräte lassen sich nur mit voller Beweglichkeit nutzen. Inklusive Spielplätze versuchen, diese Hürden abzubauen, ohne dass daraus eine Sonderanlage nur für bestimmte Kinder wird. Ziel ist ein gemeinsames Spielen.
Barrierefrei ist mehr als rollstuhlgerecht
Barrierefreiheit wird oft mit Rollstuhlnutzung gleichgesetzt, umfasst aber deutlich mehr. Zu berücksichtigen sind unter anderem Kinder mit Gehbehinderung, mit Sehbeeinträchtigung, mit Höreinschränkung sowie mit kognitiven Beeinträchtigungen. Auch Begleitpersonen mit Behinderung, etwa ein Elternteil im Rollstuhl, gehören dazu. Ein wirklich inklusiver Spielplatz denkt deshalb an unterschiedliche Bedürfnisse gleichzeitig und schafft Angebote, die auf mehreren Wahrnehmungsebenen funktionieren.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Erreichbarkeit und Bespielbarkeit. Ein Spielplatz kann zwar über einen befestigten Weg zugänglich sein, ohne dass ein einziges Gerät für ein Kind mit Behinderung nutzbar ist. Umgekehrt nützt ein integratives Gerät wenig, wenn der Weg dorthin über losen Sand führt. Beides muss zusammenkommen.
Merkmale einer zugänglichen Anlage
Bereits am Zugang und an den Wegen zeigt sich, wie durchdacht eine Anlage ist. Hilfreiche Merkmale sind:
- Befestigte, schwellenarme Wege mit fester Oberfläche, die auch mit Rollstuhl oder Rollator befahrbar sind und bis an die Geräte heranführen.
- Rollstuhlgerechte Zugänge zu Spielelementen, etwa Rampen zu Podesten oder unterfahrbare Sand- und Wasserspieltische.
- Bodengleiche Geräte wie ebenerdige Karussells oder Trampoline, die ohne Höhenunterschied erreichbar sind.
- Schaukeln mit besonderer Sitzunterstützung, etwa mit Rückenlehne und Gurt, sowie Nestschaukeln, die im Liegen oder gestützt genutzt werden können.
- Haltegriffe und stabile Stützen, die unsicheren Kindern Halt geben.
Für Kinder mit Sehbeeinträchtigung sind tastbare Materialien, klare Kontraste, Leitlinien im Boden und eine übersichtliche Anordnung der Geräte hilfreich. Elemente, die Geräusche oder Vibrationen erzeugen, schaffen zusätzliche Orientierung und Spielanreize. Für Kinder mit Höreinschränkung sind visuelle Reize und Spielelemente wichtig, die sich ohne akustische Signale erschließen.
Angebote für die Sinne und zum gemeinsamen Spiel
Inklusion entsteht besonders dort, wo Kinder mit und ohne Behinderung dasselbe Gerät zusammen nutzen. Große Nestschaukeln, bodennahe Karussells, breite Rutschen und Klangelemente eignen sich dafür, weil sie unterschiedliche Fähigkeiten zulassen. Sinnesangebote wie Wasserspiele, Fühlpfade, Klangspiele oder Duftpflanzen sprechen viele Kinder an und setzen keine bestimmte Beweglichkeit voraus. Rückzugsorte und ruhigere Bereiche helfen Kindern, die von starken Reizen schnell überfordert sind.
Ausstattung im Umfeld
Zur Barrierefreiheit gehört auch das Drumherum. Eine barrierefreie Toilette in erreichbarer Nähe, gegebenenfalls mit größerer Wickel- oder Pflegemöglichkeit, ist für manche Familien entscheidend dafür, ob ein längerer Aufenthalt überhaupt möglich ist. Behindertengerechte Parkmöglichkeiten in der Nähe, feste und ausreichend breite Wege sowie unterfahrbare Sitzgelegenheiten und Tische erleichtern den Besuch zusätzlich. Schatten und Sitzplätze sind für Kinder, die Pausen brauchen, besonders wichtig.
Wie viele inklusive Spielplätze es gibt und wie umfassend sie ausgestattet sind, ist regional sehr unterschiedlich. Manche Kommunen kennzeichnen entsprechende Anlagen ausdrücklich, andere bauen Barrierefreiheit schrittweise bei Sanierungen ein, ohne dies gesondert auszuweisen. Wer sichergehen möchte, ob ein bestimmtes Gerät oder ein barrierefreies WC vorhanden ist, kann sich vorab bei der zuständigen Stelle erkundigen.
Ein gelungener inklusiver Spielplatz zeichnet sich dadurch aus, dass Erreichbarkeit und Bespielbarkeit zusammenpassen und mehrere Arten der Wahrnehmung angesprochen werden. Feste Wege bis an die Geräte, unterfahrbare Spielelemente, Schaukeln mit Unterstützung, Angebote für Tasten, Hören und Sehen sowie ein barrierefreies Umfeld ermöglichen es Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen, nebeneinander und miteinander zu spielen. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer bloß zugänglichen und einer wirklich inklusiven Anlage.